Episode #3:Start-ups wachsen lassen – als Stratege oder reiner VC? Wie Corporates einen Venture Capital Fonds aufsetzen.
Shownotes
In der dritten Folge von FAST & FORWARD, dem Logistik Podcast von FIEGE, geht es um das spannende Thema Venture Capital. Tanja Rosendahl, Expertin auf dem Gebiet, verrät Jens und Sarah nicht nur was VC überhaupt ist, sondern auch welche Potentiale für Startups und Logistiker dabei entstehen können. Darüber hinaus verrät Tanja welche Startups für den F-Log Ventures Fonds interessant sind und welche Vorteile die besondere Konstellation mit FIEGE in diesem Zusammenhang bietet.
"Mittlerweile wird der operative Fit von Corporate Ventures als Investoren positiv wahrgenommen, das hat sich in den vergangenen Jahren sehr ins Positive gedreht.“ - Tanja Rosendahl in FAST & FORWARD, dem Logistik-Podcast von FIEGE
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Episode #3 mit Tanja Rosendahl
Sarah: Herzlich willkommen zu unserem Fast & Forward Logistik Podcast von FIEGE. Heute moderieren für euch Jens und Sarah. Und es geht um das spannende Thema Venture Capital. Über das Thema wird irgendwie super viel in den Medien berichtet. Silicon Valley, Rocket Internet, Startup-Szene Berlin und es gibt unzählige Buzzwords. Heute wollen wir ehrlich gesagt mal ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und euch erklären, was es eigentlich mit Venture Capital auf sich hat und wie Venture Capital eigentlich mit Logistik zusammenzubringen ist. Dafür ist heute bei uns, unsere nette Kollegin Tanja Rosendahl, Expertin auf dem Gebiet. Ich habe gerade gehört du bist seit 20 Jahren im Business. Von daher freue ich mich riesig, dass du da bist. Und ja, vielleicht magst du uns erst einmal ein bisschen was zu dir erzählen. Wer bist du? Wo kommst du her? Und was hast du schon erlebt in der Branche?
Tanja: Ja, vielen Dank, Sarah. Herzlich willkommen auch von meiner Seite. Vielen Dank, dass ich eingeladen bin bei euch. Ja, kurz zu mir vielleicht. 20 Jahre klingt so furchtbar alt. Ich bin tatsächlich schon sehr, sehr lange in der Venture Capital Szene unterwegs. Ich glaube, so die wichtigsten Stationen der letzten Jahre waren acht Jahre, die ich für den Venture Fonds der NRW-Bank zuständig war, für die Investments im Bereich Tech und Digitales. Gleichzeitig habe ich auch in dem Zusammenhang dort den Gründer Fonds Ruhr mit aufgebaut und bin da auch eine Zeit lang Geschäftsführerin gewesen. Im Anschluss daran habe ich nochmal die Seiten gewechselt und war drei Jahre bei einer M&A Beratung, da aber auch mit dem Schwerpunkt Tech-Unternehmen und Startups. Was ich mal ganz interessant fand die Branche von einer anderen Seite zu sehen, nämlich nicht als Investor unterwegs zu sein, sondern tatsächlich in die Beratung zu gehen. Und ja, als FIEGE mich dann letztes Jahr angesprochen hat, Mitte letzten Jahres, ob ich nicht Lust hätte, hier einen Corporate Venture Fonds aufzubauen, fand ich das einfach so spannend mal auf die Corporate Venture Seite zu gehen, die ich bisher nicht kannte und fand auch das Thema total spannend, dass jemand aus der Branche in der Branche investieren möchte. Und das war für mich der Grund, dann zu sagen: "Mensch, das ist doch ein tolles Thema, lasst uns doch zusammen hier was aufbauen.".
Jens: Wie definiert sich denn die Corporate Venture Seite? Was macht es denn besonders?
Tanja: Naja, die Corporate Venture Seite ist aus vielen Blickwinkeln aus der Branche gesehen immer so ein Mittelding gewesen zwischen einem strategischen Investor und einem Venture Capital Investor. Das war anfangs, als die ersten Corporate Ventures auftraten, durchaus erst einmal kritisch gesehen in der Branche, weil natürlich für die Startups, die ja auch das Ziel haben zu exiten irgendwann mal immer das Risiko irgendwo besteht, dass es vielleicht doch eher ein strategischer Investor ist, der nicht exiten möchte. Und wie immer, wenn man in einem Boot sitzt und in unterschiedliche Richtungen paddelt, ist das halt immer sehr, sehr ungünstig. Von daher waren Corporate Ventures anfangs sehr, sehr kritisch gesehen. Mittlerweile, glaube ich, hat sich auch in der Branche gezeigt, dass sich da viel weiterentwickelt hat. Und auch da ist die Marktusancen auch von den Corporate Ventures verstanden worden. Das hat sich sehr positiv entwickelt.
Jens: Du hast ja schon angedeutet, es ging letztes Jahr los, mit dem Kontakt. Entsprechend dann hat sich was aufgebaut. Wie geht man denn vor bei einem Corporate Venture, der sehr jung ist, vielleicht auch bei einer Firma, die nicht unbedingt in der Vergangenheit mit Corporate Venture bekannt geworden ist, hier Vertrauen zu schaffen? Bekannt zu werden und auch zu zeigen, passt auf wir haben das verstanden. Wir sind richtig positioniert zwischen strategisch und Venture und haben nicht vor, die Fehler zu wiederholen, die zu Beginn von Corporate Venture begangen wurden. Wie schafft man dieses Vertrauen?
Tanja: Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Insbesondere hast du es schon angesprochen: Die Fehler, die andere gemacht haben, nicht zu wiederholen. Dabei gibt es zwei ganz wichtige Aspekte. Das eine Thema ist, die richtigen Strukturen aufzubauen, nämlich das nicht aus der FIEGE Bilanz zu machen, sondern wirklich ein eigenes Vehikel zu schaffen. Einen eigenen Fonds wie wir das mit der F-Log Ventures gemacht haben und zum anderen sich auch Leute aus dem Markt zu holen, die halt die Venture Usancen kennen und dementsprechend natürlich auch mit den Startups und mit den anderen VC Investoren in ihrer Sprache sprechen können. Ich glaube, da sind zwei Fehler, die Corporate Ventures in der Vergangenheit gemacht haben und die FIEGE in dieser Hinsicht mit der F-Log Ventures nicht gemacht hat. Und deswegen merken wir auch in der Kommunikation mit den Startups, dass das sehr, sehr gut ankommt, dass das auch verstanden ist, dass wir tatsächlich einen Venture Fonds sind und kein Stratege.
Sarah: Vielleicht kannst du nochmal einmal für alle Zuhörer kurz erklären in zwei, drei Sätzen, was Venture Capital eigentlich ist.
Tanja: Venture Capital ist eine Finanzierungsform für junge Unternehmen in verschiedensten Phasen. Wir konzentrieren uns, als F-Log tatsächlich auf die Seed Phase und Series A. Gemeinsames Ziel von Venture Capital ist eigentlich mit dem Startup gemeinsam und mit anderen Venture Capital Investoren das Startup wachsen zu lassen. Dem Startup, was ja im Zweifel noch nicht profitabel ist, externe Finanzierung zuzuführen und gemeinsam das Startup weiterzuentwickeln, auf eine neue Stufe zu heben und dann auch gemeinsam zu einem Exit zu gelangen, der in unterschiedlichsten Formen gemacht werden kann. Aber auch mit dem Ziel, dass die Gründer ihren Anteil und ihren Share dann auch hinterher bekommen und auch die Investoren durch den Verkauf ihrer Anteile quasi einen Rückfluss bekommen und man daraus halt für sich und für alle gemeinsam Erträge generiert.
Sarah: Welches Startups sind das jetzt explizit, die ihr euch jetzt anschaut, für FIEGE?
Tanja: Wir konzentrieren uns mit der F-log vor allen Dingen auf Startups aus der Logistikbranche. Wobei da stellt man sich natürlich immer den LKW auf der Straße vor. Das ist es definitiv nicht, respektive nicht nur, sondern wir sehen die Startup Branche, respektive die Logistikbranche, für die wir uns interessieren sehr, sehr breit. Weil viele Themen, die für andere Branchen interessant sind, auch für die Logistikbranche interessant sein können. Und wir schauen uns auch viele Geschäftsmodelle an. Gerade auch aus der Industrie, die es vielleicht auch schon eine Weile gibt, die aber jetzt an dem Punkt sind, wo die auch für die Logistikbranche interessant sind. Das geht aber auch über Themen wie Big Data, künstliche Intelligenz, Robotik, alles Mögliche. Es ist nicht nur wie gesagt der LKW. Es ist auch nicht nur das Warehouse, sondern es sind viele Themen die irgendwo thematisch auch auf die Logistik passen würden.
Jens: Oft ist es ja aber so in der Vergangenheit gewesen, gerade im Logistikbereich, dass Logistik sich eher in anderen Branchen bedient hat, was Innovation, Technologie, Software und Prozessseitige Innovationen angeht, sozusagen nachgerückt ist. Daher ganz plump gefragt: Warum ist auf einmal der Antrieb da, zu sagen, man kann nicht nur nachziehen, man kann so auch Innovationen proaktiv vorantreiben?
Tanja: Ich glaube, das ist genau der Punkt. Man bringt das Know-how von FIEGE in die Entwicklung von Startups ein. Und das ist eigentlich auch das Interessante an dem Corporate Venture. Und die Entwicklung ist ja genau die, dass viele Logistiker halt auch noch hinterher sind und merken, dass sie hinterher sind. Und das ist natürlich auch ein guter Ansatz. Nicht nur das Thema Venture Capital als Finanzierung und auch als Vertragsquelle zu sehen, sondern auf der anderen Seite gleichzeitig auch Innovation mit in das Unternehmen zu bringen, also mit Innovationen innerhalb von FIEGE. Gleichzeitig aber auch, dass Know-how von FIEGE zu nutzen, um das den Startups zur Verfügung zu stellen und so eigentlich voneinander zu profitieren. Und was man auch sagen muss ist, dass diese Branchenabgrenzung, die es ja über Jahre gibt, die geht ja mittlerweile ineinander über. Also allein, wenn man das Thema Supply Chain sich ansieht. Es gibt ja nicht mehr die Logistik und das Transportwesen und was weiß ich was, sondern auch Industrieprozesse, Logistikprozesse verschmelzen immer mehr ineinander. Das heißt, man braucht ja auch immer mehr Anknüpfungspunkte. Und das macht es eigentlich so interessant, dass viele Geschäftsmodelle halt übergreifend sind.
Jens: Was ich superspannend finde, neben der inhaltlichen Ebene ist auch die organisatorische bzw. die Kommunikationsebene. Weil gerade das, was du beschrieben hast, man bringt Innovation in einer gewissen Art und Weise, einer gewissen Tiefe in ein Corporate mit rein, man bringt aber auch Know-how in einer gewissen Weise und in einer gewissen Tiefe vom Corporate ins Startup mit rein. Das ist ja ein sehr schmaler Grat, dass man nicht am Ende dann anfängt, sich gegenseitig zu beeinflussen und etwaige Wege vorgibt. Jetzt mal nett ausgedrückt. Wenn man also sagt das ist eine supergeile Idee, wir haben gerade ein Projekt, da passt das rein. Aber dafür müsstest du dann das und das und das noch ändern, damit das perfekt zu uns passen würde. Wie kann man diesen Spagat, diesen Drahtseilakt, am besten eigentlich durchführen?
Tanja: Das hast du schön beschrieben. Ja, es ist tatsächlich ein schmaler Grat, wenn man Venture Capital professionell betreiben will, muss man das aber sehr, sehr stark voneinander trennen. Das Thema ist ja immer, die Branche ist halt sehr, sehr hip und man versucht auch sehr hip zu sein. Auf der anderen Seite kommen wir aus dem Corporate, was ein bisschen konservativer ist. Und ich glaube, diese beiden Bereiche, die muss man gut miteinander verbinden. Wir merken aber auch aus dem Haus heraus, dass es unheimlich viel Interesse an Startups und an Innovationen gibt und dass die Startups aber gleichzeitig auch sehr, sehr großes Interesse haben, von einem Unternehmen wie FIEGE zu profitieren und das da auch bestimmte Grenzen eingehalten werden. Ja, weil man versteht, dass man nicht eins ist, sondern dass man auf unterschiedlichen Ebenen miteinander umgeht. Und das klappt eigentlich sehr, sehr gut. Und wenn wir das als VC moderieren haben wir ja auch kein Interesse daran, dass wir als Stratege im Markt wahrgenommen werden, weil das sind wir tatsächlich nicht, sondern wir sind ein Venture Investor. Und für uns ist es natürlich interessant, dass beide Seiten voneinander profitieren. Aber es muss da ganz klare Grenzen geben und das kommunizieren wir. Das ist auch allen Beteiligten bewusst. Und das ist natürlich auch nicht nur gegenüber dem Startup, sondern auch gegenüber unseren Co-Investoren sehr, sehr wichtig. Das müssen wir wirklich sehr, sehr gut leben.
Jens: Was ist denn ein klassischer Benefit, den ein Startup oder ein angehendes Startup von uns erhalten könnte?
Tanja: Das ist sehr, sehr unterschiedlich und das bedingt natürlich auch die Geschäftsmodelle des jeweiligen Startups. Also wir schauen uns gerade ein Thema an, für die ist insbesondere der Kontakt zu den Shippern, die wir haben und halt auch tatsächlich zu den Dienstleistungen aus dem Transportwesen sehr, sehr interessant. Also da geht es tatsächlich um Anknüpfungspunkte, Kundenkontakte, Intros et cetera. Wir haben andere Startups, die mit uns über Pilotprojekte sprechen, die einfach mal was ausprobieren wollen und einfach mal jemanden suchen, wo sie das wirklich im Live Betrieb ausprobieren können. Also sehr unterschiedlich gelagert. Wir haben aber auch Themen, die wir uns angucken, wo wir sagen, da können wir im Moment eigentlich gar nicht irgendwie was leisten. Wir glauben aber, dass wir mittelfristig etwas leisten können und das wir mittelfristig helfen können. Also sehr, sehr unterschiedlich.
Sarah: Wie lernt man so Startups kennen? Wie werden die auf euch aufmerksam? Und gibt's da einen langen Bewerbungsprozess? Oder wie muss man sich da so eine Praxis vorstellen?
Tanja: Da gibt es ganz unterschiedliche Wege. Also wir sind ja im Moment tatsächlich zwei Partner im F-Log Ventures Bereich der Tim Gudelj und ich. Und wir kommen halt aus der Venture Szene. Und wir kennen natürlich viele Co-Investoren, die uns Deals reinbringen. Wir kennen natürlich auch selber viele Startups, die wieder andere Startups kennen, die uns empfehlen. Es kommen aber natürlich auch viele Startups über den Kanal FIEGE rein. Die Kollegen haben ja vorher auch schon, bevor jetzt offiziell das F-Log Ventures Thema aufgebaut wurde, ja schon viel Kontakt mit Startups gepflegt. Das war ja auch immer etwas, was FIEGE im Markt auch bekannt gemacht hat, dass es da eine sehr große Offenheit gab und über diese ganzen Kanäle, Netzwerke, Co-Investoren, Startups, die wir kennen, aus der Vergangenheit und FIEGE selber. Das sind ganz, ganz unterschiedliche Kanäle, über die wir die Info reinbekommen und auch die Gespräche, die dann stattfinden, sind sehr, sehr unterschiedlich. Es gibt Startups, wo wir sagen, das passt jetzt noch nicht, aber mit denen sprechen wir dann über einen längeren Zeitraum und sagen: "Mensch, jetzt ist es soweit, jetzt seid ihr so groß, jetzt seid ihr mit euren Themenbereichen so weit, dass wir sagen das macht jetzt Sinn, gemeinsam irgendwie einen Weg zu gehen.". Es gibt aber auch Themen, die dann sehr, sehr schnell gehen, wo die Startups auf Finanzierungssuche sind. Wo wir sagen: "Mensch, das passt und passt auch irgendwie für alle Beteiligten und die Konditionen passen auch.", sodass man dann auch innerhalb von Wochen und Monaten dann auch zusammenkommt.
Sarah: Wie viele Startups habt ihr so im Portfolio? Wie muss man sich das vorstellen?
Tanja: Naja, wir bauen ja die F-Log Ventures gerade auf im Portfolio und wir sind jetzt kurz davor, den ersten Deal einzubuchen. Das Thema ist ja noch relativ neu am Markt und wir planen aber mit der F-Log Ventures 1 circa 10 bis 15 Investments zu machen. Und da haben wir natürlich jetzt einige schon im Deal Flow, auch einige interessante Themen. Aber wir haben auch das Portfolio noch nicht aufgebaut, weil halt das F-Log Thema noch sehr sehr neu ist.
Jens: Sind das generell eher, wenn man sich die Branche anschaut, physische Themen, also Technik beispielsweise oder geht es eher in die Richtung -klassisches Buzzword - Digitalisierung? Also eher im Bereich Software und Intelligenz in die Maschinen reinzubringen oder was ist so der Bereich, den wir uns anschauen und der verfügbar ist?
Tanja: Die ganze Bandbreite eigentlich. Also Technologien, Software sind ja auch immer eng miteinander verbunden. Kann man gar nicht so trennen, was wir viel gefragt werden ist: "Macht ihr auch Hardware?", weil das ist ein klassisches Thema ist und das VCs eigentlich nicht gerne gehen. Da es sehr kapitalintensiv ist. Auch da gibt es Bereiche, die wir uns ansehen. Da sind wir eigentlich ein klassischer VC an der Stelle und sagen: "Da sind wir opportunistisch unterwegs.". Aber unser Fokus ist tatsächlich eher auf Tech, Software und Geschäftsmodelle, die auch Digitalisierungsthemen haben. Aber das greift auch sehr, sehr stark ineinander über.
Jens: Du hast ja gerade beschrieben, so ein Prozess, wenn man zueinanderkommt, sich unterhält und dann vielleicht noch zusammen kommt, der kann sehr schnell gehen, der kann sich auch etwas hinziehen. Was ich mich immer frage, gerade zu sagen: "Hat dieses Thema, diese Idee, Potenzial in einem gewissen Zeitraum auch in gewissen Art und Weise zu skalieren?" Ist das was, was man mehr oder weniger rein betriebswirtschaftlich betrachtet? Oder ist das etwas, was man auch inhaltlich mit Experten beispielsweise von FIEGE heraus zu bestimmten Themen gemeinsam betrachtet? Dass vielleicht auch ein weiterer Vorteil aus dem Corporate Gedanken, dass man sagt: "Okay, ich hab auch Leute, die wirklich gerade im Operativen mit Themen zu tun haben, die können auch vielleicht etwas operativ fundierter beurteilen neben dem Kaufmännischen, das macht Sinn und das macht keinen Sinn.
Tanja: Absolut. Das ist ein sehr, sehr wichtiges Thema, was wir natürlich auch sehr zu schätzen wissen. Und das war natürlich auch so ein bisschen der Grund, warum wir gesagt haben: "Mensch, super! Wir können nicht nur Knowhow in den Markt geben, sondern können es auch viel besser beurteilen." Und das ist eigentlich auch eine Prämisse. Was uns, also F-Log Ventures, einfach einen Vorteil im Markt gibt, weil wir die Themen nicht nur unterstützen können, sondern wir können sie auch viel, viel besser beurteilen. Das ist beispielsweise auch der Grund, warum wir uns auf Logistik fokussieren. Nicht weil wir uns das ausgedacht haben, sondern einfach weil wir sagen wir treffen hier die beste Ermessensentscheidung. Und das ist tatsächlich ein USP, den wir im Markt auch sehen, dass wir nicht nur die Startups unterstützen können mit unserem Know-how, sondern dass wir auch die Entscheidung vorher, also die Investment Entscheidungen besser treffen, damit man aber auch im Zweifel, dem Startup nochmal Feedback geben und sagen kann: "Wir glauben, ihr seid auf dem richtigen Weg. Oder Wir glauben, ihr seid auf dem falschen Weg.". Das ist total wertvoll und das ist ein Prozess - ein Mix natürlich. Wir müssen erst einmal selber ein Bauchgefühl dafür bekommen und sagen: "Glauben wir, dass das Thema interessant ist oder nicht?" Aber wir beziehen sehr schnell auch die operativen Kollegen ein, wenn es irgendwo einen Anknüpfungspunkt zum Geschäftsmodell von FIEGE gibt und sprechen auch mit vielen Kollegen hier aus dem Unternehmen, um da Meinungen zu holen. Wobei, und das ist ein bisschen der Disclaimer, man muss natürlich immer schauen, aus welcher Brille die Kollegen da drauf schauen. Weil wir gucken natürlich auf Themen, die Potenzial haben interessant zu werden in der Branche und die operativen Kollegen schauen manchmal mit der Brille drauf - nützt mir das heute was.
Jens: Ja, exakt.
Tanja: So und das muss man natürlich überein bringen. Es gibt viele Kollegen, die verstehen unseren Ansatz auch und die denken auch unseren Ansatz schon mit. Es gibt aber auch ein paar Kollegen und das ist ja auch völlig legitim, die sagen: "Mensch nützt mir das heute was?" Und die dann eher kritisch sind und sagen: "Das nützt mir heute gar nichts." So, und da muss man einfach das Feedback filtern und sagen: "Okay, was nehmen wir denn daraus mit? Was glauben wir selber?". Wir sprechen natürlich auch viel mit anderen VC Fonds, wie die Themen sehen, die natürlich auch aus ihrem Netzwerk Input nehmen und mit dem Thema, was wir recherchieren, wie wir den Markt sehen, wie wir das empfinden, wie aber auch die Gründer wirken. Das ist ja auch ein ganz, ganz großes Thema. Und aus diesem ganzen Gemisch einer, ich nenne es jetzt mal Pre-Due-Diligence, bilden wir uns eine Meinung, ob wir mit dem Thema tiefer einsteigen wollen oder ob wir sagen: "Wir sehen da nicht so viel Potenzial." und sagen es eher ab. Das ist eigentlich der Prozess, den wir durchlaufen. Aber da muss man auch sagen und das gehört auch zu der Branche dazu, auch wenn manche schmunzeln, wenn ich das sage. Da ist halt auch viel, viel, viel Bauchgefühl dabei. Das gehört einfach in der Venture Branche und im Investment Bereich dazu, dass man von Themen überzeugt ist, ohne wirklich faktisch jetzt greifbare Dinge zu haben.
Jens: Das freut sicherlich die klassischen Ingenieure.
Sarah: Stimmt, die sich da oftmals nicht so gut vermarkten können.
Tanja: Das gehört dazu.
Sarah: Mich würde nochmal interessieren. Du hast ja gerade schon gesagt, da gibt's viele Herausforderungen. Was wäre für dich, wo du selber sagst: "Oh ja, da würde ich gern mal rangehen, das wäre die größte Herausforderung für mich hier bei FIEGE.". Was würdest du dir wünschen, was du da noch anschieben könntest?
Tanja: Ich glaube, wir müssen da alle voneinander lernen. Ich bin ja jetzt ein gutes Jahr da und ich merke halt, dass es unglaubliches Interesse gibt aus dem Hause heraus sich auch mit Startup Themen, mit neuen, innovativen Themen auseinanderzusetzen. Und das finde ich total positiv. Und das ist auch superwichtig, weil wenn man gegen das eigene Unternehmen, was hinter dem Corporate Venture Fond steht, kämpfen muss, macht das keinen Sinn. Und das empfinden wir jetzt aus dem Team heraus, aus dem F-Log Ventures Team, als super positiv. Man muss aber natürlich aneinander lernen, dass die Prozesse in einem Logistiker andere Prozesse sind als in einem Venture Fonds. Und das ist insofern wichtig, dass wir halt auch schauen müssen, es muss manchmal halt einfach schneller gehen. Es müssen schnellere Entscheidungen getroffen werden. Und ich glaube, wir müssen auch aneinander lernen, was die Marktusancen auf den jeweiligen Seiten sind. Und da kann ich mich bisher noch gar nicht beschweren, muss ich sagen, es läuft alles sehr, sehr gut. Von daher zu deiner Frage: Was würde ich mir wünschen, was sich ändert? Ist im Moment alles fein. Es funktioniert gut. Das wird sich natürlich aber in der Praxis zeigen, wenn die ersten Herausforderungen kommen. Ja, ich glaube, dass es eine große Herausforderung für ein Corporate ist an irgendeiner Stelle auch zu akzeptieren, dass im Portfolio des Venture Fonds auch Dinge mal kaputt gehen, weil Unternehmen neigen dazu, Dinge am Leben zu erhalten und manchmal sind es Dinge einfach nicht wert am Leben erhalten zu werden. Und die Entscheidung gehört auch zu einem guten Fondsmanagement dazu, weil alle reden ja auch immer nur über Unternehmen, die sich entwickeln und über Unicorns und alles. Man muss aber beide Seiten sehen, wenn man mal ganz ehrlich ist, es läuft nicht alles gut.
Jens: Ist doch schön, wenn du 10 Unicorns findest.
Tanja: Werden wir natürlich, gar keine Frage, weil wir treffen ja die besten Investment Entscheidungen. Nichtsdestotrotz ich glaube, das wird tatsächlich ein Learning sein, wo man einfach mal sagen muss: "Okay, das verfolgen jetzt nicht weiter. Das ist jetzt halt so." Und konzentrieren uns dann auf die Themen, die wirklich richtiges Wachstumspotenzial haben. Und ich glaube, da wird man noch aneinander lernen müssen. Das wird auf jeden Fall eine Herausforderungen.
Jens: Siehst du das dann auch als eine deiner Aufgaben, proaktiv dieses Wissen bzw. dieses Learning was kommen wird, schon mal intern zu propagieren und voranzutreiben, sodass ein bisschen Aufklärungsarbeit stattfindet?
Tanja: Nein, überhaupt nicht. Nein, natürlich. Also da haben wir natürlich auch im Vorfeld mit dem Vorstand von FIEGE auch viel drüber gesprochen. Das war für uns natürlich als Team auch wichtig, dass allen bewusst ist, was das heißt. Das bringt ja sonst nichts. Von daher haben wir schon im Vorfeld, auch bevor wir das Thema überhaupt angegangen sind, sehr stark drüber gesprochen, was sind die Prozesse, was sind die Herausforderungen, was erwarten wir gegenseitig voneinander. Weil wir müssen halt einfach als Fondsmanagement die Freiheit haben, als VC Markt zu agieren. Und das ist auch von FIEGE akzeptiert und auch gewünscht, weil nur so können wir erfolgreich sein. Und das klappt auch gut. Nichtsdestotrotz wird es immer wieder Learnings geben voneinander. Nochmal zu deiner Frage, dass wir die richtigen Strukturen aufgesetzt haben, das es ein externes Fondsvehikel ist, das wir autark sind als Fondsmanagement, das ist halt einfach auch schon eine ganz, ganz gute Basis dafür, erfolgreich zu sein.
Sarah: Jetzt ist natürlich auch spannend zu wissen, mit wem sprecht ihr da überhaupt. Also um so ein bisschen konkreter zu werden. Gibt's da schon was, was ihr verraten könnt?
Tanja: Meinst du von der Startup Seite?
Sarah: Ja, genau mit dem Startup.
Tanja: Stand heute tatsächlich schwierig. Wir sprechen mit diversen Startups.
Sarah: Wir bekommen da nichts raus.
Jens: Wir können ja auch keinen Druck auf Tanja aufbauen, sie ist ja unabhängig.
Tanja: Ja, das ist auch superwichtig. Ich glaube tatsächlich, da die Gespräche jetzt alle überall laufen, würde ich jetzt ungern was zu sagen, weil man kann da auch nichts vorwegnehmen. Da sind ja viele Leute auch im Boot bei so einem Thema und bevor das nicht alles auch druckreif ist, sollte man da nicht sagen.
Sarah: Gibt es irgendwie einen Bereich für die Entwickler und zukünftigen Startups da draußen, der noch so völlig ungesehen ist? Den ihr jetzt so aus eurer Markterfahrung irgendwie wisst, da ist riesig Potenzial, aber da gibt's noch niemanden. Gibt's da was, was dir spontan einfällt?
Tanja: Hmm....nein.
Sarah: Oder ist der Unternehmergeist in Deutschland so groß, dass man merkt, die beschäftigen sich alle mit riesig vielen Geschäftsmodellen.
Tanja: Es gibt, glaube ich nichts, was es im Markt nicht gibt. Aber tatsächlich muss man halt gucken, auf welchem Niveau und wie erfolgreich. Alle Dinge, die irgendwo eine Marktnische sind, sind natürlich auch von Startups nicht unbedingt der Fokus. Man muss ja auch mal schauen. Es muss ja Wachstumspotenzial geben. Und wenn die Nischen zu klein sind, macht es natürlich keinen Sinn. Also es gibt natürlich weiße Punkte auf der Landkarte, gar keine Frage. Aber das sind dann eher Geschäftsmodelle, die wirklich Nischen bedienen.
Jens: Was mich selber interessieren würde, du hast ja selber auch gesagt, du bist zwar sehr lange schon im Venture Bereich tätig, aber das erste Mal im Corporate Venture. Wurden deine Erwartungen erfüllt? Also hast du es dir auch so vorgestellt, wie es ist oder ist es besser oder ist es schlimmer? Du darfst es ehrlich sagen.
Tanja: Ich habe es ja eben schon gesagt. Also ich bin eigentlich sehr positiv überrascht. Tatsächlich haben die Kollegen und FIEGE sich im Vorfeld wirklich viele Gedanken darüber gemacht. Haben mit vielen Marktteilnehmern gesprochen, bevor sie das Thema überhaupt angegangen sind. Und das war superwichtig und das hilft uns natürlich heute. Und ich kenne natürlich auch viele andere Corporate Ventures, mit denen ich auch im Vorfeld gesprochen habe, um mir ein Bild davon zu machen. Und da kamen schon viele Warnungen. Die gesagt haben: "Uh, langwieriges Thema und uh, seid vorsichtig und so.". Aber das hat sich hier an dieser Stelle tatsächlich nicht bestätigt, sondern da war wirklich eine gute Ausgangsbasis da. Wo wir gesagt haben: "Mensch, super. Da kann man wirklich gut von abspringen.". Die letzten Details natürlich nicht, aber dafür holt man sich ja Leute aus dem Markt. Das wäre ja ein bisschen zu viel verlangt. Aber so grundsätzlich die Absprungbasis und dessen, was heißt es überhaupt, was ist Venture Capital, wo will ich damit hin? Das war wirklich ein super Ausgangspunkt.
Jens: Ist es denn so, dass teilweise Befürchtungen bestehen, wenn du Gespräche führst usw. ...Jetzt haben wir hier einen Corporate Venture mit FIEGE aber das was ich mache würde auch richtig, richtig gut zu DHL, Arvato später passen. Wenn ich das jetzt mit FIEGE mache, dann haben die vielleicht irgendwann den Hut drauf und sagen: "Och nein, nicht mit unseren Marktbegleitern!". Sind das Bedenken, die dir entgegenkommen. Und wie gehst du damit um?
Tanja: Also wir sind ja für den Markt, die F-Log Ventures. Und das ist ja auch total wichtig. Und wir sind ja auch die F-Log Ventures. Wir sind ja nicht FIEGE. Das ist halt einfach auch total wichtig und das geht so ein bisschen in die Richtung "Was kann man richtig und was kann man falsch machen in dem Markt" und total wichtig ist halt wirklich zu positionieren, dass wir nicht FIEGE sind, sondern dass wir die F-log Ventures sind. Deswegen ist halt auch eben, du hast so ein bisschen geschmunzelt, ist halt die Unabhängigkeit von FIEGE auch einfach so wichtig. Und wir werden halt auch oft gefragt: "Müssen wir denn strategischen Fit haben?" Und den müssen wir nicht haben. Und auch das ist wichtig.
Jens: Es ist aber tatsächlich auch ein konkretes Bedenken?
Tanja: Es ist ein Bedenken, ja. Das können wir aber sehr schnell einfach klären, indem wir halt wirklich auch zeigen können, wir sind ein unabhängiger Corporate Venture, von denen es ja auch einige im Markt gibt, die ja auch gute Modelle haben und die auch im Markt etabliert sind. Und die Frage wird uns dann und wann mal gestellt. Ja, das kommt schon. Aber das können wir halt, weil wir eine gute und eine richtige Struktur auch aufgesetzt haben, auch sehr schnell entkräften.
Jens: Ist es denn so, dass dies das primäre Bedenken ist oder gibt es noch andere Bedenken, die potenzielle Startups haben, wenn sie hören: "Ah, das ist ja gar kein klassischer Venture, sondern es ist ja ein Corporate Venture."?
Tanja: Eigentlich ganz im Gegenteil. Mittlerweile ist es eher so, dass der Fit von Corporate Ventures auch positiv im Markt gesehen wird. Das hat sich über die Jahre und jetzt muss ich wieder schmunzeln, ich bin ja schon lange genug dabei, das hat sich über die Jahre auch wirklich gedreht. Also es waren sehr, sehr große Bedenken, als die ersten Corporate Ventures aufkamen, weil da sind auch viele Fehler gemacht worden. Gerade im Hinblick auf "Bin ich denn jetzt ein Stratege oder bin ich denn jetzt kein Stratege?". Also da war die Positionierung auch nicht klar und das hat sich über die Jahre gedreht, weil natürlich die Startups auch sehen und das merken wir auch in den Gesprächen das Thema, was wir gerade ganz konkret haben, ja, die sagen uns auch mal super, wir würden super gerne mit euch zusammenarbeiten, wenn ihr uns den Link zu FIEGE machen könntet. Die können uns helfen, unserem Geschäft. Und da sehen die Startups auch schon den Fit das werten sie schon höher positiv ein als die Bedenken, dass es da irgendwie zu sehr eine Verbindung gibt. Von daher ist die Struktur der F-Log und auch das Thema: Wie tritt die F-Log im Markt auf und wird sie wahrgenommen? Schon eine sehr positive.
Jens: Ist das denn so, dass sich das generell langsam substituiert von Venture hin zu Corporate Venture? Oder gibt es auch Fälle, wo du sagst: "Nee, ganz ehrlich, das ist nichts, was für uns von Interesse ist bzw. da wäre der Fit zum klassischen Venture doch deutlich besser."?
Tanja: Ja absolut, also viele der Modelle. Bei uns kommen natürlich auch immer Startups in den Dealflow rein, wo sich dann auch noch nach kurzer Zeit herausstellt naja, eigentlich so richtig Venture getrieben und so richtig Exit orientiert sind wir eigentlich gar nicht. Also eigentlich möchten wir jemanden, der uns langfristig unterstützt und am liebsten, der uns einen Großteil unserer Anteile abkauft. Das ist auch völlig legitim. Aber das ist nichts, was Venture Capital ist, und das ist auch nichts, was wir finanzieren wollen, weil das natürlich nicht unsere Zielrichtung ist zu sagen: "Wir sind ein Fond, wir haben eine feste Laufzeit und wir möchten irgendwann auch unsere unsere Investments wieder exiten." Das passt einfach nicht. Da machen wir auch gerne das Intro zu FIEGE. Ich glaube an der einen oder anderen Stelle hat das schon gut funktioniert. Aber das ist nichts, das wir uns als F-Log Ventures anschauen und das ist auch nichts, wo wir investieren möchten, weil das absolut gegen unsere Strategie geht.
Sarah: Wenn man sich jetzt den Markt nochmal anschaut, dann gibt es auf der einen Seite die klassischen Venture Capital Unternehmen und auf der anderen Seite die Corporate Venture Unternehmen. Sind die auch einem Konkurrenzverhalten untereinander oder wie muss man sich das vorstellen? Battled ihr euch sozusagen um einen Startup oder freuen die sich, wenn sie jemanden gefunden haben? Wie ist da das Verhältnis von Angebot und Nachfrage?
Tanja: Ich würde sagen, es ist beides. Also jetzt muss ich eine Anwalt Antwort geben. Es kommt darauf an. Also um die guten Startups und die guten Themen kämpft natürlich erstmal jeder VC und das ist völlig egal, ob das ein Corporate Venture ist oder ein klassischer Venture. Weil letzten Endes haben wir ja das gleiche Ziel. Auf der anderen Seite sind wir aber natürlich auch irgendwie immer froh und zwar alle im Markt, wenn wir irgendwo ein Konsortium bilden können mit anderen VC Investoren, weil man sich auch gegenseitig unterstützt in Investments und weil man sich auch in gewisser Weise Arbeit teilt. Manchmal ist halt nur Platz für einen, dann kämpft man. Manchmal ist aber auch Platz für ein Konsortium, weil man selber gar nicht das Volumen stemmen kann oder möchte. Es ist ja auch eine Frage der Risikoteilung und dann ist es schon so, dass man auch gemeinsam arbeitet. Aber in der Regel ist es tatsächlich so, dass da die Branche sehr, sehr positiv zusammenarbeitet. Das war in der Vergangenheit auch mal kritischer. Aber wir tauschen uns viel mit anderen VCs aus. Es kommen viele VCs auf uns zu sagen: "Mensch, könnt ihr mal drüber gucken, was haltet ihr denn davon." Wir haben allein heute Nachmittag noch zwei Termine mit befreundeten VCs, wo wir über Dealflow sprechen. Das ist schon relativ normal, dass man sich über diese Themen auch austauscht. Auch das man unterschiedliche Meinungen dazu hat. Aber da müssen wir wieder sagen und da kommen man zu dem Thema von eben zurück. Das ist natürlich unser Vorteil als Corporate Venture, dass wir gerade zu dem Thema, die irgendwo Logistikbezug haben, ja viel tiefer drin sind und auch viel detailliertere Antworten auf viele Fragen geben können. Ein genereller Venture Capital ist im Markt sehr breit aufgestellt, da ist das natürlich eine Herausforderung in allen Themen sehr, sehr tief drin zu sein. Das kann man natürlich auch in gewisser Weise leisten. Und natürlich kommen die gerne auf uns zu. Bei bestimmten Logistikthemen, wo sie wissen, wir sind darauf spezialisiert und fragen uns da auch nach unserer Meinung. Also das funktioniert sehr gut in der Zusammenarbeit. Aber ein gewisser Konkurrenzkampf ist natürlich immer da.
Jens: Ist ja auch gesund. Ist das denn aber etwas, was aus der ganzen Systematik Venture und der Beteiligungstruktur heraus sich automatisch ergibt oder hat man aktuell oder bzw. den letzten Jahren ein gewisses Nachfrageüberangebot, sodass man aus diesem Grund sehr gut auf freundschaftlich zusammenarbeiten kann, weil einfach die Nachfrage an Venture sehr hoch ist und das Angebot an potentiellen Startups sehr hoch ist?
Tanja: Es ist beides. Also es sind mehr Startups im Markt, weil Gründen gerade sehr sehr hip ist. Es ist aber auch viel Geld im Markt. Also es sind beide Seiten eigentlich, die sich da entwickelt haben. Aber nur weil es mehr Startups gibt, heißt das ja nicht, dass es bessere Startups gibt oder dass es mehr bessere Startups gibt, sondern es ist einfach mehr Volumen im Markt. Gleichzeitig gibt es auch mehr Investoren. Aber auch da gilt das Gleiche. Das heißt nicht unbedingt, dass es mehr gute Investoren gibt. Aber es gibt auch viele Investoren im Markt, die das so ein bisschen als Hobby betreiben. Das ist ja auch absolut legitim. Das hilft auch sehr, sehr frühen Startups, gerade die Business Angel-Szene ist da sehr breit geworden. Wenn man aber wirklich auf institutionelle VCs guckt, kann man sagen, da hat auch der Wettbewerb zugenommen, ganz klar. Aber es sind beide Seiten, die sich da weiterentwickelt haben.
Jens: Ja, wenn wir mal in unser klassisches Logistikgeschäft schauen, dann ist es ja oft so, auch bei uns ist es so, wir haben einen gewissen Kernmarkt, wir haben gewisse Kernländer. Ist das auch etwas, was für dich zutrifft, in deinem Venture Bereich? Ist sowas auch von Landesgrenzen abhängig? Sieht man sich dann primär beispielsweise Ventures an, die hier tätig sind und auch nur für den deutschsprachigen DACH Markt oder wie auch immer interessant sein könnten oder ist das völlig losgelöst von politischen Landesgrenzen?
Tanja: Wir sind da völlig opportunistisch unterwegs.
Jens: Okay.
Tanja: Also für uns zählt rein das Geschäftsmodell und das Marktpotenzial. Von daher kann ich eigentlich sogar verneinen, dass wir uns nur Dinge angucken, die nur in sehr, sehr engen Märkten erfolgreich sein können. Sondern für uns ist sehr wichtig, dass das Startup sich entwickeln kann. Das es ein großes Marktpotential hat, dass es auch über Ländergrenzen hinaus funktionieren kann. Sonst sind wir wieder sehr schnell in der Nische. Und das ist eigentlich genau das, was wir nicht wollen. Deswegen gucken wir wirklich international. Asien ist natürlich aus Europa heraus nicht ganz so einfach. Richtung USA ist das sehr etabliert. Wir sprechen auch gerade mit einem amerikanischen Co-Investor zu einem Thema. Also das ist sehr, sehr etabliert. Asien kommt halt auch immer mehr. Aber für uns gilt tatsächlich das Geschäftsmodell, das Marktpotenzial.
Jens: Cool. Danke für den Einblick. Vielleicht könntest du ja in der Zukunft, wenn wir dich dazu überzeugen könnten, nochmal jemanden mitbringen und dann reden wir zu einem konkreten Thema.
Sarah: Ja!
Tanja: Ihr wollt unbedingt ein Startup haben, das verstehe ich.
Jens: Wir haben es ja vorhin nicht geschafft, es aus dir herauszukitzeln.
Tanja: Ihr bekommt unser Erstes.
Jens: Wir freuen uns drauf und bis dahin, vielen Dank, dass du dabei warst. Es war super spannend und ein cooler Austausch. Danke dir.
Tanja: Danke für die Einladung.
Sarah: Ja, euch auch nochmal ganz lieben Dank fürs Zuhören und dann freuen uns auf das nächste Mal, mit einem Startup auf jeden Fall. Ciao.
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