Episode #9: Vom „Projektmanager DDR“ zum Vorstand
Shownotes
In der neunten Folge von FAST & FORWARD, dem Logistik-Podcast von FIEGE, haben Sarah und Tobias Vorstandsmitglied Peter Scherbel zu Gast. Als, vor gut 30 Jahren, Peter Scherbels Weg bei FIEGE begann, gab es längst noch keine Lösungen für E-Commerce-Services, es gab noch nicht einmal stabile Telefonverbindungen von Ost- nach Westdeutschland. Die Voraussetzungen in der Logistik waren ganz andere. Peter Scherbel spricht über Erinnerungen an eine ereignisreiche Zeit in der ehemaligen DDR, sein persönliches Erfolgsrezept und richtet den Blick gleichzeitig auch auf zukünftige Aufgaben.
„Das wichtigste Werkzeug in meinem beruflichen Methodenkoffer sind meine Ohren. Es geht darum, sehr genau hinzuhören. Zuhören ist eine Disziplin, die immer mehr Menschen abgeht. Dabei ist es ein ganz wichtiges Instrument, um analysieren und bewerten zu können – und um überhaupt zu verstehen, was eigentlich passiert.“ - Peter Scherbel in FAST & FORWARD, dem Logistik-Podcast von FIEGE.
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Episode #9 mit Peter Scherbel
Sarah: Herzlich willkommen zu Fast & Forward dem Logistik Podcast von FIEGE. Heute moderierend für euch der Tobi an meiner Seite und ich, die Sarah. Bevor ich unseren heutigen Gast vorstelle. Vielleicht einmal ganz kurz vorab, ich habe die große Ehre, meinen neuen Moderationskollegen, den Tobias Jöhren, vorzustellen. Der Tobi wird den Jens und mich jetzt in der Zukunft unterstützen beim Podcast und damit sind wir auch endlich wieder in unserem Trio komplett. Ich freue mich riesig, dass du heute dabei bist. Vielleicht sagst du zu dir selbst nochmal ganz kurz zwei Sätze.
Tobias: Vielen Dank für die netten Worte. Danke Sarah. Hallo in die Runde. Ich freue mich, dass ich jetzt Teil eures Moderatoren Trios sein darf. Ich bin der neue Pressesprecher bei FIEGE. Ich habe bisher auf der anderen Seite gearbeitet als Journalist und im Podcast meistens eher auf der anderen Seite gesessen und versucht Antworten zu geben. Jetzt darf ich endlich Fragen stellen. Ich freue mich sehr darauf. Aber ich glaube, dass es genug zu mir. Wir haben nämlich einen ganz tollen Gast heute.
Sarah: Genau. Perfekte Überleitung Tobi. Zum heutigen Thema und zu unserem Gast. Der eine oder andere kann sich vielleicht noch an unseren ersten Podcast erinnern. Der war sozusagen moderiert unter dem Deckmantel eine halbe Stunde mit dem Vorstand. Und da wollen wir heute gerne nochmal ansetzen und haben das Glück, dass heute Herr Peter Scherbel bei uns ist. Hallo Peter, erst mal in die Runde. Peter ist Vorstand bei FIEGE und verantwortlich für den Geschäftsbereich Omnichannel Retail und für das Thema Operational Excellence und feiert in diesen Tagen sein 30-jähriges Dienstjubiläum. Und da gibt es natürlich eine ganze Menge Geschichten, die wir erzählen können. Und wir wollen natürlich ganz, ganz viel erfahren über dich, über deine persönliche FIEGE Geschichte, aber auch darüber, was vielleicht auch noch gar keiner so richtig weiß, was du erlebt hast. Was nur du und noch vielleicht zwei andere Augen wissen. Aber natürlich auch, was du noch alles so vor hast. Von daher freue ich mich, dass du da bist. Herzlich Willkommen. Ja, Peter, vielleicht, bevor wir so richtig einsteigen in deine persönliche FIEGE Geschichte. Vielleicht stellst du dich nochmal ganz kurz mit ein paar Worten vor.
Peter: Ja, das mache ich sehr gerne. Mein Name Peter Scherbel. Möchte sagen, dass ich mich sehr freue, in dieser Runde zu sein. Der Podcast ist ein spannendes neues Format und ihr könnt uns ja nicht sehen. Deswegen möchte ich voranschicken, dass wir hier in unserer tollen Service Zentrale in Greven mit Blick auf den Flughafen, im Raum Berlin sind. Das ist unser Besprechungsraum und wir wollen über Logistik sprechen. Wir wollen auch ein bisschen darüber reden, was ich erleben durfte. Sarah, du hattest schon erwähnt, dass ich tatsächlich 30 Jahre schon in dem Unternehmen tätig bin. Drei Jahrzehnte, eine lange Zeit und insofern natürlich auch einen gewissen Background diesbezüglich habe. Ich freue mich, dass es eine tolle Sache. Logistik ist unglaublich spannend, unglaublich facettenreich. Sicherlich eines der tollsten Felder unserer Industrien. Und insofern ja, freue ich mich.
Tobias: Bevor wir darüber sprechen Peter, was du bei FIEGE machst und was du alles schon gemacht hast, müssen wir vielleicht einmal ganz kurz darüber sprechen, wie du eigentlich zu FIEGE gekommen bist. Denn es gibt da dieses Stellenausschreibungen vom 30. August 1990 aus der DVZ, die wir gefunden haben und die heute vielleicht niemand mehr so aufsetzen würde und wahrscheinlich auch niemand mehr so drucken würde. Ein Projektmanager "DDR" in Anführungsstrichen, wurde gesucht von FIEGE und ich zitiere weiter "Für verschiedene Projekte in Dresden und Ostberlin suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen engagierten Projektmanager DDR." Warum war das was für dich?
Peter: Ja, das ist in der Tat eine gute Frage und die Anzeige, die ich auch in der Tat gerahmt am Schreibtisch stehen habe, weil sie so eindrücklich ist und wirklich aus einer ganz weit entfernten Vergangenheit zu kommen scheint, war damals Standard. Das heißt, unser Medium war die Deutsche Verkehrs-Zeitung. Das ist sie heute auch noch. Aber wichtig war der Donnerstag. Donnerstag gab's Stellenanzeigen und es gab noch nicht irgendwie monster.de oder andere heiße Geschichten. Man hat sich in der Tat über Zeitungsannoncen informiert und letztendlich auch beworben. Ich habe damals mit Mitte 20 habe in München gelebt und war wirklich als junger Mann unglaublich begeistert von dieser Situation, dass hier eine Mauer fiel und dass die ehemalige, also heute ehemalige, damals real existierende Deutsche Demokratische Republik wieder quasi mit Deutschland als solches verschmolzen wird. Und das waren in der Tat kolossale Ereignisse. Ich war als junger Mann sicherlich Spanien, Italien oder Holland näher zugeneigt als der DDR. Mir waren Städtenamen wie Cottbus oder Neubrandenburg offen gestanden gar nicht bekannt. Und ich habe damals diese DDR dann, als die Mauer fiel, sofort bereist, um das anzugucken, weil ich schon gespürt habe, dass sich da was tut. Und es waren wirklich unglaubliche Impressionen, die sich mir dort aufgetan haben, dass also Menschen, die die gleiche Sprache sprechen, doch in einem vollständig anderen Umfeld leben und natürlich auch anders sozialisiert sind und dass sich da Erstaunliches tut. Das hat FIEGE natürlich auch begriffen. FIEGE war damals noch ein relativ überschaubares Unternehmen. Wir hatten vielleicht 1200 Mitarbeiter, wir hatten vielleicht zwei Dutzend Niederlassungen, aber wir haben einen unglaublich spannenden Drive dort schon erfahren und FIEGE hat sich dort engagiert. Und deswegen wollte ich unbedingt zu FIEGE, um mich in der Tat für diese Sache zu bewerben.
Tobias: Das klingt jetzt erstmal wie ein total großer Schritt. Also da ist ein, ich glaube damals 25-jähriger junger Mann aus Bayern, und der entscheidet für sich, ich gehe den Schritt in die ehemalige DDR, nach Ostberlin, nach Dresden. Wie war das für dich?
Peter: Ja, das war für mich natürlich eine total spannende Herausforderung, die vor allen Dingen, ich muss dazu sagen, ich war damals schon verheiratet. Ich hatte damals meine erste Stellung angetreten. Ich hatte eine kleine Filialleitung für eine bayerische Spedition im ganz, ganz klassischen Sinne und war auch dort schon ein bisschen voller Tatendrang. Und die Idee und die Absicht war, dass ich da einfach was erreichen kann. Das war schon Sturm und Drang, muss ich ganz ehrlich natürlich zugeben. Und ich muss auch ehrlich zugeben, als erstes Mal toll FIEGE hat mich genommen. Ja, das war eine super Situation. Ich bin von München nach Greven hierhin geflogen. Es gab den alten Flughafen noch. Ich bin in die alte Systemzentrale nach Reckenfeld gefahren und habe mich dann mit Dr. Hugo Fiege auseinandersetzen dürfen, im besten Sinne. Lange Rede kurzer Sinn. Ich habe die Stelle dann angetreten und hab das aber schon nach einem halben Jahr ehrlich gesagt tief bereut, weil das ganz, ganz heftig war von den Lebensumständen. Es gab weder Wohnraum. Es gab natürlich auch nicht das, was man so gewohnt ist, Einkaufen. Das Einzige, was toll war in Dresden, war die Kultur. Die gab's damals schon. Das ist ein Ort, eine wunderbare Landschaft. Ich liebe Dresden. Ich erzählte seit 30 Jahren jeden, der es hören will oder nicht, dass Dresden die schönste Stadt Deutschlands ist, die man unbedingt bereisen muss, die man lieben muss und mit ganz tollen Menschen, die eine herrliche Selbstironie haben und die sehr fleißig und engagiert sind. Aber es war eine brutale Zeit am Anfang und es waren viele Glücksritter, auch aus dem Westen. Und ich konnte damals Dinge sehen. Ja, was weiß ich, das vom LKW herunter, die westdeutschen Verlage, die Zeitungen, quasi Zeitschriften rausgeworfen haben, um Abos zu, ich darf das vielleicht so sagen, zu drücken. Mehr mussten die gar nicht. Die haben gerne abonniert. Es kamen aus Hessen und Bayern Gemüsehändler, die am Samstag dort ihren Kohlrabi verkauft haben, als wäre der Kohlrabi aus Sachsen schlecht. Und die Leute haben das gekauft. Es war eine völlig verdrehte und komische Welt, die sich mir dort auftat und die natürlich sehr stark unter Umweltlasten litt. Gerade Dresden in einer Tallage, Kessellage. Man hat dort unglaublich schlechte Luft geatmet. Es ist nur Braunkohle verfeuert worden. Die Zweitakter die haben ihr übriges getan. Es war immer so, dass wenn man da hin fuhr die A4 ohne Leitplanken mit diesen ganzen Wartburgs, Trabbis, Skodas, war das versiegelt in einer weißen Glocke und darunter lag die schöne Stadt Dresden.
Tobias: Also schon eine ganz andere Welt, oder?
Peter: Ja, danke. Genau wie du sagst. Also so hätte ich es jetzt in einem Satz sagen können. Es war in der Tat so, das Zürich oder Amsterdam viel, viel näher als Städte waren wie Karl-Marx-Stadt oder meinetwegen Dresden und Leipzig.
Sarah: War das denn der Grund auch, warum du dich dann relativ schnell ja auch wegbewegt hast von der Position? Ich hab jetzt hier mal so deinen Lebenslauf liegen. Da ist in 30 Jahren natürlich eine ganze Menge dazugekommen. Ich sag mal: Gründung Niederlassung Münster, Mitglied der Geschäftsleitung FIEGE Deutschland, Vorstand der F-LOG AG. 2012 natürlich ganz wichtig Mitglied des Vorstands der FIEGE Gruppe. Vielleicht kannst du so einen kurzen Abriss geben. Was ist in 30 Jahren passiert und was waren eigentlich so für dich die wichtigsten Positionen und Meilensteine in dieser doch so langen beeindruckenden Karriere?
Peter: Also der Grund für den Erfolg, den ich im kleinen Medic für mich in dieser Zeit in Anspruch nehmen darf, ist der, dass sich die Philosophie, also die Herangehensweise, wie man Logistik interpretiert und wie man mit Kunden umzugehen hat und Lösungen schafft, die hat sich zu hundert komma null Prozent gedeckt mit derer der Herren Fiege und ihrer Leistungsträger. Und ich hatte dort die Möglichkeit, relativ schnell langanhaltende, intensive Kundenbeziehungen aufzubauen, die darauf fußen, dass wir Logistik als ganzheitliche Angelegenheit betrachten und dass wir in der Tat tiefe Wertschöpfungspartnerschaften initiieren, die letztendlich eine Win-Win-Situation herstellt die über die Zeit wirkt. Das ist eigentlich der Grundsatz. Es geht nicht um Beliebigkeit, um Quantität, es geht um Tiefe, Qualität und unter dem Aspekt haben wir versucht, innerhalb von entsprechend einer Branchenspezialisierung in Anführungszeichen, weil es ein hohes Wortes ist, Exzellenz zu erlangen. Das ist die Idee. Und diese Idee, die hat sich in Sachsen hervorragend etablieren lassen über diese Verlage. Weil das nämlich ein ideales Beispiel für die Nische ist. Zu der damaligen Zeit hat man bereits arbeitsteilig Logistik outgesourct und alles Andere (Verlage nicht). Verlage hatten, so war damals die Rede, dass Zeitungen, die sind nicht verkauft worden, die sind gekauft worden und man kauft auch keine Zeitungsdruckmaschinen. In Wirklichkeit sind es Gelddruckmaschinen, weil sie ja monopolistisch und orientiert sind. Sie haben den Anzeigenmarkt in Radio Markt, den Leser Markt, den Anzeigenblatt Markt alles im Griff und sind im Prinzip dort quasi mit einer Lizenz zum Gelddrucken versorgt. Trotzdem sind wir in diesen Markt vorgestoßen, weil das ist auch ein Spruch, den mache ich gerne: " Glück ist der Erfolg des Tüchtigen." Das fliegt nicht vom Himmel. Da muss man ein bisschen was dafür tun. Und wir haben uns wirklich verdammt angestrengt in dieser Zeit. Und dann kam das Glück in der Form, dass die Deutsche Reichspost, die von der Deutschen Bundespost übernommen worden ist, die Abonnement Zustellung im Osten in den Bezirken der ehemaligen DDR aufgekündigt hat. Das heißt, Verlage hatten keine Abonnenten, sie haben eine Menge Zeitungen in einen Lastwagen produziert und die Post hat alles übernommen. Das hat sie aufgekündigt und die Verlage mussten dasselbe aufbauen. Und da kam unsere Stunde. Wir haben das übernommen für die Sächsische Zeitung mit einer Auflage von damals, nur rund einer halben Million in diesem ganzen Bezirk aus Sachsen, Bautzen, Riesa, Rosenheim, Görlitz, wie das alles heißt, Freital und so weiter und haben Zusteller aufgebaut und haben dieses Modell, nämlich die Idee auf Basis von Stückpreisen, die wir dadurch degressiv gestalten, dass wir trotz sinkender Auflage Zusatzgeschäft dran flanschen und vor allen Dingen optimieren, dass es nur so kracht. Das ist vielleicht wirklich auch unsere Exzellenz, dass wir in der Lage sind, uns auf Prozesse zu fokussieren und diese zu perfektionieren. Und das hat dort funktioniert. Und es hat natürlich an vielen anderen Plätzen in Deutschland funktioniert. Und da gab's zwei herausragende Dinge. Das erste ist, dass das Post Monopol gefallen ist 1999, das heißt, wir waren der erste Briefdienst in Deutschland gemeinsam mit PIN in Berlin, die Briefe privatwirtschaftlich zugestellt hat. Nach immerhin 500 Jahren, also seit Thurn und Taxis, gab's das nicht und wir haben damit begonnen, in Dresden den ersten Brief dort abgestempelt und haben den zugestellt mit den Zeitungen. Und das machen wir jetzt seit 1999, wir haben die Marke Post-Moderne etabliert. Die haben wir damals quasi, ja, wir haben sie erfunden. Wir haben gegen die Post prozessieren müssen bis nach Karlsruhe und haben dieses Label und haben heute 6000-7000 gewerbliche Kunden, wo wir Post abholen und haben Riesenfreude an diesem Geschäft. Das war ein eminent wichtiges Momentum und da freuen wir uns noch heute drüber. Das Zweite ist, dass wir den Ritterschlag bekamen in der Form, dass wir in Joint-Venture mit der FAZ gegründet haben, im Jahr 2000. Die FAZ. Das ist ein Name, der für mich heute noch... Ja, ich finde es eine fantastische Zeitung. Ja, machen wir auch noch. Und wir sind auch in einem guten Verhältnis, was wir zwar neu organisieren, aber es ist trotzdem eine wunderbare Angelegenheit. Und ich ziehe heute noch den Hut, dass die FAZ im Jahr 2000, wo man mit Stellenanzeigen gar nicht mehr wusste, wo es hingeht. Also wenn man sich mit Zeitungen auskennt. Und es gibt so Normierungen für Vollpakete. So ein Bote darf nicht mehr als zwölf Kilo tragen. Und wir hatten dort in der Tat letztendlich zwölfer Vollpakete, weil so eine Zeitung im Prinzip fast ein Kilo wog. Die passte nicht mehr in den Briefkasten. 2000 neuer Markt. Stellenanzeigen ohne Ende. Und das Geld lief perfekt. Aber ich habe ihre Logistik outgesourct und wir haben das gemeinsam gemacht. Regional, national, international. Damals sind die Zeitungen noch mit dem Flugzeug befördert worden. Lufthansa hat sie nach New York geschickt. Und auch nach Kairo und anderswohin. Das hat in Amerika gut geklappt, weil das war zum A-tag durch die Zeitverschiebung, wenn du da eben nach Westen fliegst, haut es ganz gut hin, fliegst du mit der Sonne und dann hast du in der Früh die Zeitung. Wunderbare Sache. Zweites riesengroßes Ding, was uns tolle Freude bereitet hat.
Tobias: Und eins muss man mal festhalten. Sorry, wenn ich da ganz kurz dazwischengehen. Nein, wunderbar. Dafür haben wir dich ja hier sitzen. Wir freuen uns, dass du so viel erzählen kannst. Aber die ganze Arbeit und der ganze Aufwand der scheint sich ja sehr, sehr gelohnt zu haben, weil ich muss noch einmal und dann lassen wir es auch sein mit der Stellenanzeige, die wir anfangs erwähnt haben, dahin zurück. Da stand damals ich zitiere nochmal "Wir sind mit rund 1200 Mitarbeitern an über 20 Niederlassungen eine der führenden Logistikorganisationen in Deutschland." Ich glaube es gibt eigentlich fast gar keinen Satz, der einem schwarz auf weiß besser vor Augen führt, wie vielleicht auch die Entwicklung von FIEGE seitdem vonstatten gegangen ist und deswegen vielleicht die Frage. Was würde da deiner Meinung nach heute stehen?
Peter: Du meinst jetzt was?
Tobias: Dieser erste Satz. Wenn wir uns vorstellen "Wir sind rund 1200 Mitarbeiter und wir haben 20 Niederlassungen." Was würde da heute stehen?
Peter: Ja, es stehen natürlich ganz andere Zahlen da. Wir laufen stramm Richtung 2 Milliarden Umsatz. Wir haben de facto bald 150 vitale Berichtslinien Profit Center. Und letztendlich wird es so sein, dass wir, auch wenn man Head Count betreibt, bei 20.000 Menschen ankommen. Das heißt, wir haben uns gewaltig entwickelt, gewaltig entwickelt und es klingt so possierlich. Aus der damaligen Sicht war das auch groß, muss ich ganz klar sagen. Also da ist nichts beschönigt. Wir waren eine der größten, weil es eben in der Tat in der Logistik und man nennt uns das möchte ich auch an der Stelle, das ist ein gutes Format dafür, klarstellen Pionier der Kontraktlogistik. Das war nicht unser eigener Werbespruch, also die DVZ, unter anderem, unser Wettbewerb hat uns so tituliert als Pionier der Kontraktlogistik, worauf wir durchaus deswegen auch stolz sein dürfen. Und das hat sich in der Zeit herausgebildet. Und das ist an sich die Wurzel gewesen aus diesen Generationen heraus. In dieser Zeit, Anfang der 90er, das entstanden, worauf wir heute fußen, nämlich eine riesengroße, darf man sagen und unheimlich vitale, gesunde Logistikorganisation, die genau in diesen Industriebranchen erfolgreich tätig ist.
Sarah: Jetzt hast du vorhin ganz viel über das Geschäft von Zeitung und Distribution Logistik erzählt. Interessanterweise bist du ja heute verantwortlich für den Bereich E-Commerce. Was ja irgendwie eigentlich ganz interessant ist, weil die Zeitung natürlich auch irgendwie digitaler wird. Du hast dich sozusagen auch digitaler aufgestellt im Zuge mit E-Commerce. Ist das was, was ganz automatisch gekommen ist oder wolltest du auch sozusagen eine Veränderung dieser Ausrichtung, deiner Verantwortung für einen Geschäftsbereich?
Peter: Ja, okay. Also ich würde grundlegend sagen, dass es notwendig ist, wenn man hier in so einem Unternehmen eine Vorstandsrolle innehat, dass man sich als kompletter ganzheitlicher Logistiker versteht, der in der Tat, sagen wir mal diese Klaviatur in der Lage ist zu spielen. Das ist notwendig. Erstens. Zweitens haben wir eine Struktur aufgebaut, wo wir hervorragende Business Unit Leiter in den einzelnen Branchen gesetzt haben und mit sehr flachen Hierarchien in diesen definierten Märkten agieren. Das heißt, meine Rolle ist weniger jetzt ich sage mal den E-Commerce oder Omnichannel neu zu erfinden. Meine Aufgabe sehe ich schon mehr in der Gestaltung und Entwicklung, in dem Coaching der Leute, die ja im Wesentlichen auch deutlich jünger sind als ich, die auch einen anderen Background, ne andere Erfahrung mitbringen, die aber für sich hervorragende Fachleute sind und viele Disziplinen viel besser beherrschen als ich selbst. Aber meine Aufgabe muss sein, eine Organisationsform in der Tat zu optimieren und an wichtigen Stellschrauben zu drehen, um diese beschworene Exzellenz. Also wir wollen ja auch und ich trage immer diese operational Exzellenz als Monstranz vor mir her. Da komme ich auch zu diesem Thema. Warum hab ich diese Querschnittsfunktion, Lean Management, Projektmanagement, Quality auch Safety gehört dazu. Das hab ich nicht deswegen, weil ich so ein wahnsinnig begeisterter Line Manager bin. Ich hab sie deswegen, weil ich weiß, dass wir das die Medaille zwei Seiten hat. Ich muss hervorragend aufgestellt sein, um mit den richtigen Kunden in den richtigen Märkten die richtige Art und Weise an Ton und Konzepten anzuschlagen. Aber ich muss auf der anderen Seite in der Lage sein, eine Produktion abzubilden, die genau das umsetzt, was heutzutage notwendig ist. Und das sind die Herausforderungen, ganz anders als noch vor 30 Jahren. Ganz anders. Und wenn ich das nicht kann und wenn ich diese Elemente nicht habe, schaffe ich das nicht und deswegen möchte ich mich dafür einsetzen. Und das sehe ich auch als Punkt in dieser tollen Omnichannel Retail, weil dort fantastische Leute an fantastischen Themen arbeiten und oftmals sogar schneller sind, als man das möglicherweise erwarten darf. Und man muss natürlich das Ding insgesamt im Griff halten, um sagen wir mal den Erfolg fortzusetzen.
Sarah: Ein gutes Stichwort. Ich hatte mir auch aufgeschrieben: die Kollegen Maj-Britt Pohlmann und auch Magnus Trippler waren ja auch schon bei unserem Podcast und wir haben schon ausgiebig über Line Management gesprochen. Und ich habe den beiden auch die Frage gestellt und ich würde die dir auch total gerne stellen, weil ich glaube, nach 30 Jahren kannst du das jetzt vielleicht mit deiner Erfahrung auch nochmal anders beurteilen. Was ist so für dich das wichtigste Werkzeug, was du in deinen persönlichen Methodenkoffer packst?
Peter: Das ist natürlich eine tolle Frage. Die ist Klasse. Also das allerwichtigste Werkzeug, das besitze ich als Mensch, das sind nämlich meine Ohren, die sind an sich nahezu ebenso wichtig wie die Augen. Aber die Ohren sind noch wichtiger, weil sie genau darauf hören müssen, was in der Tat auf der anderen Seite passiert. Zuhören ist eine Disziplin, die immer mehr Menschen immer mehr abgeht. Und das ist ganz, ganz wichtiges Momentum, um zu verstehen, was tatsächlich passiert. Das heißt, die Analysefähigkeit, die man als Logistiker braucht, ist zunächst mal das ganz persönliche, innere, wichtigste Instrument, um qualifizierte Bewertungen vorzunehmen. Ja, und das resultiert, da braucht man natürlich eine grundlegende Kompetenz. Man braucht was sehr, sehr Gutes, auch ein bisschen Talent und man braucht auch Leidenschaft. Ohne Leidenschaft geht in dem Job sowieso nichts. Wir sind Menschen, ja Personen getrieben. Das ist etwas Wunderschönes. Wir haben keinen Koffer, wo wir eben etwas vorzeigen können, sondern wir müssen in der Tat Vertrauensvorschuss erbitten und erkämpfen und dann auch rechtfertigen. Und deswegen ist das das wichtigste Werkzeug zu aller forderst. Und wir müssen zweitens natürlich sehen und das ist auch die Veränderung zu damals. Kommunikation läuft heute anders. Sie läuft dramatisch schneller. Sie ist in Teilen diffus und sie ist auch im Übrigen schwer zu analysieren. Hinsichtlich dessen was ist denn eigentlich wichtig, was ist nicht wichtig, was ist richtig, was ist falsch? Diese ganze, sag ich mal Nomenklatura, die Struktur, war früher viel einfacher. Das Leben war viel einfacher. Also wenn ich deshalb sagen darf, in Dresden wir hatten eine Mitarbeiterin beschäftigt, die
Sarah: Jetzt kommen die Anekdoten.
Peter: Wir haben gerade darüber gesprochen, wir machen Podcast. Bitte machen wir mal die Handys aus. Damals, vor 30 Jahren, hatten wir eine Mitarbeiterin, die den ganzen Tag nur an einem grauen Bakelit Telefon saß und versucht hat, eine Verbindung in den Westen herzustellen. Die hat nichts anderes getan.
Sarah: Eine Frau?
Peter: Eine Frau. Die Frau. Ilona heißt sie. Ich habe sie noch vor Augen. Und dann hat die irgendwann, ich kann leider Sächsisch nicht imitieren, da hat die dann geschrien: " Wir haben eine Verbindung im Westen." Und dann kamen wir nach Greven und dann hat jeder, der irgendetwas zu sagen hatte, als erstes Mal Personal, Buchhaltung und ich durfte dann auch ran und haben gesagt das ist passiert. Es durfte jeder mal den Hörer nehmen und das vermitteln, was notwendig ist. Und das ist jetzt nicht. Das sind jetzt nicht 200 Jahre, das sind 30 Jahre. Das ist ein bisschen mehr als eine Generation und kommt einen vor wie in der Steinzeit. Also, ich will auf diese Kommunikation hinaus und ich will darauf hinaus, dass wir heute in unserer Welt und gerade in der Logistik über Technik sprechen. Wir reden über Automatisierung, wir reden über künstliche Intelligenz, also über letztendlich die Automatisierung des Entscheidens. Das ist ja künstliche Intelligenz. Und das sind mit vielen weiteren Themen sehr, sehr spannende und sehr, sehr anspruchsvolle Aufgaben, die wir beherrschen müssen, um tatsächlich State of the Art zu bleiben und Kunden begeistern und überzeugen zu können. Und deswegen möchte ich bewusst auch in diesem Podcast darauf hinaus. Es ist ganz wichtig zu verstehen, zuzuhören und das zu nutzen, was man zur Verfügung hat, nämlich seine eigene fachliche Kompetenz, seine eigene Erfahrung, aber auch sein Talent dafür, eben in der Tat darauf Acht zu geben, wo sind Themen wichtig, wo sind sie weniger wichtig? Was muss ich tun? Das ist heute die größte Herausforderung, die ich sehe, auch für jüngere Menschen. In der Tat richtig zu entscheiden und den richtigen Weg zu beschreiten.
Sarah: Das finde ich total spannend, weil wir sind ja selber junge Leute. Wir haben extrem viele junge, dynamische Leute in der Organisation. Und da ist natürlich die Frage, liegt auf dem Tisch, wie wird man denn Vorstand und was kannst du aus deiner Expertise sagen was ist wichtig? Auch im Sinne jetzt natürlich im Hinblick auf Kommunikation, künstliche Intelligenz. Was braucht man also? Zwei Punkte eigentlich. Wie wird man das? Wie hast du das geschafft? Und was ist auch in der Zukunft eigentlich wichtig, wenn man so eine Funktion haben möchte?
Peter: Ich bin nicht zu FIEGE gekommen mit der Absicht, Vorstand zu werden. Ich bin zu FIEGE kommen mit der Absicht, ein Unternehmensumfeld zu finden, was idealtypisch zu meinen Skills und Möglichkeiten passt, die ich einfach habe und die ich sehe. Und das ist schon mal der erste Punkt. Also ich muss in der Lage sein, wirklich abhängig von meiner persönlichen Position, von meinen persönlichen Präferenzen in der Tat eine Startaufgabe zu finden, die passt. Das ist nicht einfach, das ist nicht einfach. Man kann auch einiges in Zukunft finden. Aber es ist natürlich sehr gut, wenn man vom Start her ungefähr weiß, was man kann, was man will. Das Zweite ist selbstverständlich, dass man tatsächlich neben einer grundsätzlichen Leidenschaft für die Dinge auch eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringt. Also die Dinge sind nicht trivial, die Dinge laufen seltenst linear und straight nach oben. Es wird häufig verlangt, ich sage mal, eine Rolle Stacheldraht zu fressen und durchzuhalten, einfach dran zu bleiben. D. h. Hartnäckigkeit ist ein unverzichtbares Element in der persönlichen Art und Weise, wie man Dinge eben anpackt. Mit dieser Hartnäckigkeit verbindet sich am Ende natürlich auch der Wille zum Erfolg. Der gehört dazu. Das heißt, dass es ein bisschen Ehrgeiz, das braucht man. Also man muss den Erfolg natürlich schon auch wollen. Und dann ist man, sag ich mal, auf der einen Seite klar. Die zweite Seite, die heute hinzukommt, ist viel stärker als früher das Thema Teamfähigkeit. Ich muss in der Lage sein, wirklich, ja quasi interdisziplinär übergreifend, ohne irgendwelche Eitelkeiten und Getue klar zu kommunizieren, klar zu strukturieren und mit den richtigen Leuten Informationen und auch wieder da, die richtige Information teilen. Das ist ganz entscheidend. Und ja, und dann wie gesagt, und dann kommt das Glück, weil das ja nun dann der Erfolg des Tüchtigen ist und dann geht es auch in die richtige Richtung.
Tobias: Ja, du hast das gerade angedeutet. Also erstmal sind 30 Jahre natürlich eine irre lange Zeit. Und zum anderen, wenn du sagst, man muss auch mal eine Rolle Stacheldraht essen, das ist ja jetzt nichts, was mittags in der Kantine irgendwie auf der Speisekarte steht. Also das ist jetzt auch nicht das Bekömmlichste wahrscheinlich. Das heißt, gab es in diesen 30 Jahren auch mal Momente, wo du vielleicht gezweifelt hast, wo du vielleicht dich auch neu orientieren wolltest? Falls ja, was hatte ich am Ende davon abgehalten? Und falls nein, was ja auch sein kann, warum hat es die nie gegeben?
Peter: Ja, also ich habe in der Tat diesen jetzt auch mehrfach benannten Stacheldraht zu mir genommen, weil ich finde es nach wie vor sehr passend. Weil es eben anstrengend war. Zu allernächste ich habe es eingangs beschrieben diese erste Zeit in Dresden. Man hat eben gefühlt, dass man da schon irgendwie auf einem anderen Stern ist. Und es war Winter und man ist da völlig derangiert und weiß gar nicht mehr, was man machen soll. Man fühlt sich auch ziemlich alleine. Die Distanz ist groß, Familie ist weg und und und. Also da hab ich schon gehadert, aber hab mich einfach besonnen, aber auch gesagt wer A sagt, muss auch B sagen. Also das ist einfach so. Das gehört vielleicht dazu und irgendwann kommt wieder die Sonne. Und das war ja auch so die Sonne kam wieder und es ging wieder weiter. Und dann gab's in dieser ganzen Zeit natürlich auch vor allen Dingen Rückschläge mit Kunden, die mich sehr, sehr getroffen haben. Weniger Dinge, wo wir nicht so erfolgreich waren oder wo wir einfach auch mal so einen sidekick bekamen. Wir hatten z.B. diese unglaubliche Situation, dass wir an den Neuen Markt als Flog AG gehen wollen. Das ein richtigen IPO. Wir waren richtig toll unterwegs. Ich flog mit Privatflugzeugen um die halbe Welt in Amerika, in England, in Italien. Wir haben dort Präsentationen am Stück gehalten mit Merrill Lynch. Und ja, es ist wahr, diese Geschichten. Unvorstellbar. Aber das war nicht schlimm. Schlimm war beispielsweise, dass wir in Tschechien eine Logistik aufgebaut haben, die fantastisch war. Wir haben die ganze Tschechische Republik mit Zeitungszustellung versorgt. Wir hatten alle Verlage, alle Zeitungen, alle Zeitschriften in einem Pott und haben mit tollen Leuten in Prag, einer wunderbaren Stadt, eine Gesellschaft Media Service aufgebaut, auch Ende der 1990er Jahre. Die hat zehn Jahre gehalten und als dann dort auch das Post Monopol fallen musste, weil es die EU durchgesetzt hat, dann sind das kann man ja überall hören diesen Podcast. Das kann man jetzt nicht so genau sagen. Aber Fakt ist das ganz böse Leute ganz böse Dinge gemacht haben und dann plötzlich unser Hauptkunde abhanden kam und wir am Ende des Tages diese Firma verkaufen mussten. Und ich war tief traurig darüber. Auch weil wir mit ganz vielen Menschen super Verbindungen aufgebaut haben und über mehr als ein Jahrzehnt auch in der Tat richtig Geld verdient haben. Also diese Gründungen, dieses Bauen aus dem Nichts. Wir haben dort im Prinzip damals 10 Kronen für die Gründung der Gesellschaft bezahlt. Das waren ungefähr 40 Cent. Nein, es waren 40 Pfennig, weil es gab noch die D-Mark. Als wir gegründet haben, also mit 40 Pfennig, haben wir diese Gesellschaft gegründet plus die Notarkosten. Und dann haben wir das aufgebaut mit 7500 Zusteller. Fantastisch. Aber das sind so Ereignisse, die mich dann, wo ich wirklich auch Wochen brauchte oder Monate brauchte. Ich sag mal, ganz schlimm.
Sarah: Wenn wir jetzt ein bisschen nochmal nach vorne schauen. 30 Jahre vergangen. Es ist ja noch eine ganze Zeit. Du hattest vorhin gesagt 56, das heißt, da ist noch eine ganze Strecke zu laufen. Was hast du noch vor? Was möchtest du noch erreichen? Und wo sind für dich auch die großen Handlungsspielräume in der Logistik in den nächsten Jahren, wo du dich noch richtig austoben möchtest?
Peter: Ja. Also das Allerwichtigste ist für mich, dass wir ein sehr gesundes organisches Wachstum zeigen. Das klingt so ein bisschen wie so eine langweilige Standard Platitüde. Aber das ist etwas ganz Wichtiges, Essentielles, das wir in der Lage sind, mit unseren Kunden weiter zu wachsen. Wenn wir alleine das tun, wird unser Wachstum schon ganz, ganz riesig sein. Warum? Weil unsere Kunden natürlich weitestgehend über Themen wie E-Commerce also im Omnichannel und auch im klassischen und ausschließlichen Internethandel wachsen und sich entwickeln und wir dort auch in die Industrien der sagen wir mal Old Economy, Automobilzulieferer und anderes mehr mit diesen Themen hineingehen und dort ein Wachstum haben werden. Das ist mir sehr wichtig und ich möchte zweitens das geht aber damit einher. Ich möchte gerne, dass es FIEGE gelingt, dass wir tatsächlich übergreifend von Operational Excellence sprechen können. Ich finde das ganz faszinierend, dass man in allen Bereichen an das Optimum versucht heranzugehen über alle Prozesselemente dieser tollen Supply Chain, die wir bedienen dürfen und die heute und das ist ja auch das, worüber ich mich unheimlich freue. Auch das war vor 30 Jahren ganz anders. Logistik war damals ja, das musste man halt machen. Es ging ja nicht anders. Aber heute ist es letztendlich auch entscheidend. Im Wettbewerb, in der Produktdifferenzierung drückt Logistik aus, ob etwas weniger gut oder mehr gut ist. Und selbst auch für Hersteller von ganz harten und klaren Dingen, also auch ein Kugellager kann sich heute differenzieren über qualifizierten Service, value added services und eben gute Logistik. Das heißt, das sehe ich als spannend an. Und das hört ja auch nicht auf. Also das hört auch nicht auf, wenn ich irgendwann mal aufhöre. Das geht ständig weiter. Und ja, das ist eine tolle Perspektive und die sehe ich jedenfalls für FIEGE.
Tobias: Ich weiß gar nicht, kann man den Blick in die Glaskugel überhaupt werfen? Wir haben jetzt viel gesprochen über die vergangenen 30 Jahre. Du hast erzählt von Leuten, die nur dafür da waren, um zu versuchen, eine Telefonverbindungen in den Westen zu kriegen. Das ist ja aus heutiger Sicht schwer vorstellbar. Kann man sich jetzt schon vorstellen. Wie sieht FIEGE, wie sieht die Logistik in 30 Jahren aus?
Peter: Ehrliche Antwort? Nein. Ehrliche Antwort Nein. Also das wäre vermessen. Ja, also A fehlt es mir in den Tiefgang, dass ich in jeder tollen Disziplin, die dafür relevant wäre, aussagefähig bin. Was ich natürlich sagen kann, ist, dass wir in der Tat insbesondere durch diese künstliche Intelligenz, die ja im Übrigen eine sehr kreative Kraft letztendlich ist, weil sie ja letztendlich auch entscheiden soll. Das ist ja etwas anderes als jetzt irgendwie die Kaffeemaschine, die entweder Espresso oder Cappuccino macht. Es ist wirklich ein sehr spannendes Thema und dort sind Entwicklungspotenziale drin die sind kolossal. Und die werden diese Automatisierung, die wir auch natürlich in der Logistik haben, Vorschub liefern. Und wir werden dort schon sehen, dass wir auf der einen Seite gesamthaft gesellschaftlich eine andere Fokussierung haben werden. Das heißt, wir werden weggehen von dieser Situation, dass man aus einem Zentrallager glaubt, die ganze Welt versorgen zu müsse. Diese Regionalisierung auch die Art und Weise, wie man mit Produkten umgeht und vor allen Dingen welcher Ressourcenverzehr innerhalb der Logistik steckt, wird dazu führen, dass wir dort anders und achtsamer damit umgehen. Das heißt, die Logistik wird sehr, sehr viel teuerer in Zukunft werden. Sie wird sich sehr, sehr, sehr viel mehr orientieren an dem Thema der wahrhaftigen Nachhaltigkeit. Also nicht irgend so ein Greenwashing Kasperltheater, sondern wirklich dem echten Prov. Was läuft da ab hinsichtlich CO2-Emission? Und das sind so unglaubliche Herausforderungen die bewegend werden über die nächsten Jahrzehnte.
Sarah: Absolut. Ich glaube, wir müssen dich nochmal einladen. Das ist so spannend mit dir zu sprechen, finde ich. Ich glaube, uns geht der Gesprächsstoff gar nicht aus. Ich hätte vielleicht zum Abschluss nochmal eine persönliche Frage. Ich hab gelesen, dass es dein Traum ist einmal mit einem Land Rover durch ganz Südamerika zu fahren. Hast du das schon verwirklicht oder ist das, was du sagst: "Das ist immer noch mein Traum, wenn ich irgendwann meine Zeit habe, dann mache ich das."
Peter: Ja, also ich hab's nicht verwirklicht. Es ist immer noch mein Traum. Und wahrscheinlich werde ich es auch nie tun. Ich habe zu diesem Thema der sag ich mal gegenständlichen Träume insofern einen Bezug, als das ich sage sobald ich mir den Traum erfülle, ist er ja erledigt. Dann ist es ja gar nicht mehr so schön.
Sarah: Das stimmt, die Vorfreude ist schöner und das träumen, oder?
Peter: Ja, ich finde es schon toll. Also ja klar könnte ich mir das mal erfüllen. Ich finde Südamerika klasse. Ich finde es sehr spannend. Ich fahre auch durchaus sehr gerne mit einem Gelände gängigen Fahrzeug, auch wenn es ein Verbrennungsmotor hat. Und ich find das eine ganz tolle Herausforderung. Ja, vielleicht klappt es irgendwann.
Tobias: Dann müssen wir jetzt zum Abschluss eigentlich nur noch die Frage klären, was aufregender ist, die ehemalige DDR oder Südamerika? Du kannst das bewerten.
Peter: Definitiv die ehemalige DDR.
Tobias: Ich merke schon. Also Sarah hat es gesagt, wir müssen dich vielleicht nochmal einladen. Der Gesprächsstoff geht nicht aus. Spätestens dann in 30 Jahren wieder. Ich hoffe, da bist du dabei. Und das ist gut. Ich werde erst mal an dieser Stelle sagen, ganz, ganz lieben Dank Peter. Hat großen Spaß gemacht und natürlich auch ein ganz herzliches Dankeschön an unsere Zuhörer. Wir freuen uns, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder rein hört. Macht's gut. Und ja, auf Wiederhören.
Sarah: Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
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